ProAm 2019 – nur ein Radrennen?

Eigentlich mache ich im Moment alles falsch. Ein Marathon steht bevor, ich sollte laufen – nix anderes. Aber die Werbung suggeriert: Spaß macht schnell. Getreu diesem Motto sollte die Teilnahme meiner Liebsten und mir bei der 2019 Ausgabe des Hannoveraner Jedermann-Radrennens ProAm auch verlaufen – zumindest aus meiner Sicht. 🙂

Die Gesamtstrecke ca. 68km (irgendwann machen wir mal die 100km+ Etappe…). Genau wie bei den großen Rennen passiert den größten Teil der Strecke nix. Gar nix. Man fährt einfach, geht gefährlichen Situationen so gut es geht aus dem Weg, quält sich mehr oder weniger die Anstiege rauf, brettert dem Wahnsinn nahe die Abfahrten runter, ärgert sich über die „Windschatten-Lutscher“ und verrichtet selber seinen Job ganz vorn im Wind.

Bis kurz vor dem Ziel. Dann entwickelt sich eine Eigendynamik im Fahrerfeld, in unserem Fall ca. 30 Teilnehmer stark. Es wird ruhiger, keiner spricht mehr. Alle sind voll konzentriert – aber viele auch schon am Ende ihrer Energie. Fahrfehler sind die Folge. Gleichzeitig wird alles viel hektischer. Jeder versucht in eine für sich vorteilhafte Position zu kommen. So auch wir, unser kleines Team bestehend aus meiner Liebsten und mir. Ich als der Käpitän, der versucht, Strecke und Rennen zu lesen, um ihr ein möglichst schnelles Rennen zu ermöglichen, nach Möglichkeit mit einem eindrucksvollen Zielsprint.

Bis 8km vor dem Ziel ist es den Daten nach für mich ein Spaziergang, dann fange ich erst an, Sport zu machen. Mental war es vorher schon stressig, das merke ich aber  erst hinterher. Ab besagter 8 Kilometer- Marke arbeite ich dann richtig. Immer darauf bedacht, die Liebste nicht abreißen zu lassen. Gleichzeitig möglichst schnell, um die Langsameren endgültig loszuwerden. Auf einen Massensprint mit so vielen Leuten habe ich keine Lust.

4km vorm Ziel trennt uns das Scenario kurz, sie links außen vor mir, ich rechts in 4. oder 5. Reihe. Plötzlich bremst die vor mir Fahrende völlig grundlos. Mit 2 blockierenden Rädern rutsche ich hinter ihr auf dem Asphalt hin und her. Laut fluchend suche ich mir einen Weg ganz nach vorn. Noch 2 Kilometer. Irgendwie schafft es die Liebste wieder an mein Hinterrad. So rasen wir beide die Strasse am Maschsee entlang, die ich schon so oft beim Triathlon gefahren bin – dicht gefolgt von dem ganzen Pulk.

Links Kurve – ganz außen angefahren um Geschwindigkeit mitzunehmen, das Feld fährt innen und muß bremsen. 20m  Vorsprung. Rechtskurve, das Feld ist mit sich selber beschäftigt, die Liebste ist dran – 50m Vorsprung. Das ist die Lücke! Jetzt voll rein und wir sind alle los!

Aber die Kraft reicht nicht. Es geht ganz leicht bergauf, ich muß rausnehmen, um sie nicht zu verlieren. 3 oder 4 schieben sich links an uns vorbei. Noch 1 Kilometer. Ich suche das Zielbanner, kann es nicht sehen, sehe nach hinten, das ganze Feld zerrissen. Die Liebste am Hinterrad. Der Blick nach vorn – alles frei keine Gefahr. Irgendwie erkennt sie, wo die Ziellinie ist und sprintet mustergültig an mir vorbei und holt sich den Team-internen Sieg. Ich rolle breit grinsend über die Linie (die so gar nicht den Glamour einer Rennziellinie hat) . So also fühlt es sich an, wenn man für jemand Anderen den Sieg vorbereitet. Geniales Rennen! Der pure Spaß!

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