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7 Türme Triathlon Lübeck 2021 / Olympische Distanz

Jede Triathlon Saison geht irgendwann zu Ende. Das letzte Rennen ist dann immer etwas Besonderes. Auf der einen Seite ist man müde vom ganzen Training und den Wettkämpfen des Jahres. Auf der anderen Seite ist man endlich in der Form, nach der man das ganze Jahr gestrebt hat. Die Abläufe und Belastungen sind Routine, es geht nur noch um den Spaß an der Sache. Am aufgeregt sein davor ändert das überhaupt nichts.

Was dieses Mal anders ist: es gibt keinerlei Diskussionen über Neo erlaubt oder nicht. Wie selbstverständlich haben fast alle – mir inklusive – den schwarzen Kälteschutzanzug an. Wirklich kalt fühlt sich das Wasser später nicht an. Mit organisatorisch bedingter Verspätung starte ich mittels Kopfsprung in dieses letzte 3-Sport-Abenteuer 2021. 500 oder 600m läuft es super. Dann ist niemand mehr neben mir. Weder links noch rechts. Die nächste Boje kann ich nur erahnen. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin, schwimme zickzack, hin und her, hebe meinen Kopf viel zu oft aus dem Wasser. Stress pur. Irgendwann ist dann da wieder eine Boje. Ich weiß endlich wieder wo ich bin. Der Rhythmus, die Ruhe kehren zurück. Der Ausstieg über die Leiter ist wie gewohnt wacklig. Der Blick auf die Uhr bringt nicht das Erhoffte, aber das Erwartbare. Die 2min/100m -Hürde wieder gerissen. Sch*** drauf – hat trotzdem irgendwie Spaß gemacht:

swim: 1500m – 31:47min- 2:10min/100m (59. von 115)

Fürs Wechseln lasse ich mir etwas mehr Zeit – wie immer. Socken anziehen ist mir wichtig. Ich fühle mich damit bei bike + run einfach wohler, egal wie lang die Strecke ist oder wie lange ich dafür brauche:

T1: 2:35min (31. von 113)

Bereits beim Aufstieg zum Rad überhole ich zum ersten Mal. Die Socken an den Füßen und Schuhe am Rad bringen immer die notwendigen 10tel-Sekunden 😊. Dann geht es 1km bergauf, technische Kurven am Kreisverkehr – da steht die Liebste zum Anfeuern -, 3km gerade aus, Wendepunkt und zurück. 4x. Der Weg raus aus der Stadt ist einfach. Bergab, 45km/h auf der Uhr. Der Rückweg um so zäher. Wie ein Gummiband bremst mich irgendetwas. Mehr als einmal kontrolliere ich die Bremsen, ob die wirklich offen sind. Voll anstrengend. Nach 15km – also 1.5 Runden – bin ich endlich im Radrythmus. Rein in die Stadt mit „Überlast“, raus etwas lockerer. Ich kenne die Strecke schon vom Rennen 2014. Ich weiß, wenn ich hier auf den leichten Abschnitten zu viel investiere, dann wird das Laufen hart. Ich mag diese „Drückerkurse“ mit den langen Anstiegen und Abfahrten nicht. Lieber mehr Kurven oder kürzer und steiler. Aber zum Spaß bin ich nicht hier. 😉 Das zeigt sich am Deutlichsten, als mich ein anderer Wettkampfteilnehmer fast in die Absperrung drängt. Verdammt, ich war noch nie so nah an einem ernsthaften Crash dran! Ich bin stocksauer. Raus aus der Aeroposition, Luft holen. Das war knapp. Zu seinem Glück – ja, ER ist eindeutig männlich – ist kein Kampfrichter in der Nähe. Die machen heute trotzdem einen Super Job! Endlich gibt`s mal Strafen fürs Lutschen . Schließlich finde ich ins Rennen zurück und dann geht’s in die letzte Radrunde. Meine Liebste macht sich auf in Richtung Wechselzone, um mich da anzufeuern. Bei km32 wundere ich mich über das komische Geräusch des hinter mir fahrenden Rades. Nach ein paar Sekunden wird klar, das ist nicht hinter mir. Es ist mein Hinterrad, was da bei Tempo 45Geräusche macht und schwammig wir. Plattfuß. Verdammt. Mein Ärger darüber hält sich seltsamerweise in Grenzen. Anhalten, Rad raus, Schlauch raus. Reifen 3-mal kontrollieren – alles gut. Neuer Schlauch rein, Gaskartusche ansetzen – die geht in meiner Hand los. Innerhalb einer Sekunde ist meine Hand gefroren und die Kartusche leer. Verdammt. Eine habe ich noch. Ich vergleiche beide Kartuschen. Die Explodierte sieht irgendwie anders aus am Gewinde. Warum kontrolliere ich das nicht vorher? Verdammt. Was mache ich, wenn die 2. auch nicht funktioniert? Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt! Also 2. Versuch: Kartusche ansetzen, der Reifen wird prall und hält. Yesss. Ein Sprint zum nächstgelegenen Mülleimer, um die Reste zu entsorgen. Hinterrad wieder rein und weiter. Die ganze Aktion hat unglaublich lange 12min gedauert. Gefühlt waren es nicht mehr als 3. Durch die Panne ist mein Biss weg. Ruhiger als zuvor fahre ich die letzten Kilometer. Wenn das Rad hält, kann ich jetzt nur noch gewinnen. Es hält:

bike: 38.8km – 1:09h netto/ 1:21hbrutto – 33.7km/h – 193W/201W NP (110. von 113)

In der Wechselzone steht dann ein fremdes Rad auf meinem Platz. Nach allem Erlebten stört mich das nicht wirklich. Ich lege die 15. schnellste Wechselzeit aller Männer hin und bin auf der Laufstrecke:

T2: 1:26min (15. von 113)

Hatte ich im Vorfeld noch Bedenken, der Wettkampf am Wochenende zu vor hätte mich müde gemacht, so sind diese mit Laufstart endgültig vergessen. Mit meinen Superschuhen an den Füssen rase ich für meine Verhältnisse aus der Wechselzone, über die Sportplatzrunde, rauf auf die Strecke. Die Liebste steht da mit sorgenvollem Gesicht ob meiner Verspätung. Ich: “Reifenpanne“. Sie: “Dann überzock jetzt nicht!“ Ich: „ja, ja…“. 😊 Rechtskurve, Anstieg hoch. „überzock nicht“ Ich lasse die in meinem Umfeld Laufenden ziehen, nehme etwas raus. Gefühlt jogge ich nur durch die Gegend. Aber in meinem Kopf manifestiert sich das, was ich noch nie geschafft habe: negativer Split. Zweite Hälfe schneller als die erste. Das geht nur, wenn ich das kontrolliert angehe. Auf einem 2 Rundenkurs sollte das gut zu machbar sein. Nach 4.5km der Blick auf die Uhr: genau 22Minuten – 4:53min/km. Also muss ich hier nach 44min wieder sein. Ok. Es ist Zeit mal richtig Sport zu machen. Wechselzone, Sportplatzrunde, die Liebste. Knutschen. So viel Zeit muss sein. Ab diesem Punkt habe ich dann Scheuklappen. Selten war ich so bei mir. Selten harmonierten Beine und Kopf in so perfekter Weise. Alle Anstiege, alle Kurven, alles Schwere ist einfach da. Wertfrei. Ich muss und will einfach nur laufen. 9km Marke: 43:35min. 25s schneller als die erste Runde. Gewonnen! Der letzte Kilometer ist laut Aufzeichnung der schnellste des gesamten Rennens – gleichzeitig der leichteste:

run:10km – 48:09min – 4:49min/km – 395W (41. von 113)

Gesamt: 2:33:36h netto (pb, wäre da nicht die Reifenpanne…)

Alle Zeiten GPS.

Offiziell:

Gesamt: 2:44:15h – (79 von 114)

Alle und alles was mich in diesem Rennen geärgert hat, ist im Ziel vergeben. Ich bin zufrieden mit mir und wie das alles gelaufen ist. Trotz allem. Denn wie sagt das berühmte power & pace Zitat:

Das „S“ in Triathlon steht für Spaß.

Triathlon Saison 2021 beendet.

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