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Gesetzmäßigkeiten

Ein Gesetz im Triathlon besagt, man kann beim Schwimmen ein Rennen zwar nicht gewinnen, sehr wohl aber verlieren. So etwas bleibt so lange Theorie, bis man es am eigenen Körper erlebt.

Ich muss zugeben, im Vorfeld des Fümmelsee Triathlon 2022 war ich schon etwas überheblich. „Alles andere als eine neue Persönliche Bestzeit wäre eine Niederlage.“ Top 10 Platzierung Minimalziel. Bei 7 Startern in meiner Altersklasse müsste ich dafür nur das Ziel erreichen. Tatsächlich liebäugelte ich mit Top 5, an einem sehr guten Tag sogar mit dem Podium. Denn trotz aller Probleme im Vorfeld – Erkältung, Radsturz, Trainingsausfall – fühlte ich mich bereit dafür.

Dieses Gefühl hielt auch für 150m beim Schwimmen. Dann verlor ich die Orientierung im Wasser, bekam keine Luft mehr und war aus meinem Rhythmus. Kein Mentaltrick, keine Lageänderung half. Mein Rennen war an diesem Punkt gelaufen. Ich wollte nur noch aus dem Wasser und das Rennen beenden, aufgeben. DNF – did not finish – mein erstes Mal. Irgendwie schwamm ich , nein – ich paddelte die komplette Schwimmstrecke zu Ende. Fast doppelt so lange brauchte ich, wie ich mir vorgenommen hatte.

Der Weg vom Wasser zum Fahrrad war wie Spießrutenlaufen. Die Leute feuerten mich an, klatschten. Ich aber fühlte mich dessen nicht würdig.

Trotzdem bewirkte das etwas in mir. Ein weiteres Triathlongesetz besagt, man beendet das Rennen nicht einfach, nur weil es nicht rund läuft. Also nahm ich mein Rad und fuhr los. Die ersten Minuten litt ich immer noch unter Luftnot. Aber mit jeder Kurbelumdrehung wurde das besser. Mit jeder weiteren Rennminute nahm ich den Kopf etwas tiefer. Mit jedem weiteren Kilometer kam ich zurück in dieses Rennen.

Als ich dann ins Laufen startete, holte ich mir zur Motivation die Starterliste ins Gedächtnis: ins Ziel kommen bedeutet Top 10. Bestes Saisonergebnis. Wenn man dann den ersten – oder letzten , je nach Standpunkt- seiner eigenen Altersgruppe überholt, beginnt der innere Dialog der Beine mit dem Kopf wirklich intensiv zu werden. Dann geht es nicht mehr „nur“ ums Finish. Dann finden an dieser Stelle die eigenen Olympischen Spiele statt. Dann gibt es kein morgen, dann gibt es nur den nächsten Kilometer, nur den nächsten Anstieg, nur die letzten 5Minuten bis ins Ziel – und die können sich endlos ziehen.

Tatsächlich erreichte ich das Ziel. Ich erreichte sogar mein Ziel. Platz 5 Altersklasse, sogar Platz 16 gesamt. Bestes Saisonergebnis – trotz … NEIN, ein „trotz“ sollte es hier nicht geben. Wie sagt der Coach immer:

„Triathlon ist eine Fehlervermeidungssportart.“

Ich habe definitiv was falsch gemacht. Ich habe den Wettkampf unterschätzt, die Intensität, war zu routiniert, zu selbstsicher. Denn das finale Triathlongesetz besagt:

Habe Respekt vor dem Wettkampf.

Sei er auch noch so kurz.

3 Antworten auf „Gesetzmäßigkeiten“

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